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Bundesweite Seminarreihe - IKOE-Projekt der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt: Ost-West-Unterschiede müssen stärker berücksichtigt werden

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat die Seminarreihe „Gemeinsam stark vor Ort: Amt & Zivilgesellschaft“ mit vor allem im ländlichen Raum tätigen Aktiven gestartet.

Den Auftakt bildete am 28. April eine Online-Fachveranstaltung unter dem Motto „Füreinander einstehen! Zivilgesellschaft sichtbar machen“. Im Mittelpunkt stand die Notwendigkeit einer besseren Zusammenarbeit von Verwaltungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, auch ging es um die die Frage einer gelingenden Integration.

Zudem wurde deutlich, dass in Ostdeutschland andere Voraussetzungen herrschen und andere Handlungsweisen erforderlich sind als in den westlichen Bundesländern. Der Rahmen von rund 100 Seminarteilnehmern aus ganz Deutschland ermöglichte es auch, das Projekt IKOE – Fachstelle Interkulturelle Orientierung und Öffnung Sachsen-Anhalt der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. und das Netzwerk Fachverbund Ost bundesweit vorzustellen. Die Seminarreihe wird von der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Urbanistik und dem Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. veranstaltet.

Moderatorin Anne Ulrich von der Heinrich-Böll-Stiftung erläuterte eingangs, dass das Seminar von der These getragen sei, dass Demokratie dort entstehe, wo sich Aktive vor Ort austauschen und wo engagierte Menschen Politik und Verwaltung als Partner „auf Augenhöhe“ wahrnehmen. Mit Vorträgen sowie gelungenen Praxis-Beispielen wurde in das Thema eingeführt. Für die Zivilgesellschaft seien nicht nur mehr Beteiligung, sondern auch neue Formen der Mitgestaltung nötig, sagte etwa Stephanie Bock vom Deutschen Institut für Urbanistik. Andreas Willisch vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. betonte, dass vor allem mit Blick auf Verwaltungen komplett neue Entscheidungswege und andere Formen der Themenfindung und –festlegung nötig seien.

Nach den Vorträgen wurde in drei Arbeitsgruppen das Thema vertieft. In der Gruppe „Vielfalt leben“ äußerte sich die Geschäftsführerin des MigraNetz Thüringen e.V., Elisa Calzolari unter anderem zum Thema Rassismus nach den Anschlägen von Halle und Hanau (2019/2020).

Als Referentin in dieser Arbeitsgruppe erklärte IKOE-Projektleiterin Dr. Katja Michalak, wie ihr Projekt eine engere Zusammenarbeit verschiedener Bereiche von Verwaltungen angestoßen habe und weiter unterstütze. Auch sei die beispielgebende Schaffung und Landesfinanzierung von Integrationskoordinatoren in den Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt erreicht worden.

Dr. Katja Michalak hob zudem die Struktur und die Besonderheiten in den neuen Bundesländern beim Thema Integration und Interkulturelle Öffnung hervor. So seien etwa die Vereinsstrukturen und die damit verbundene Wertschätzung des Ehrenamts im Osten geringer ausgeprägt als in den westdeutschen Ländern. Als eine nötige Konsequenz daraus sei im Themenbereich Interkulturelle Orientierung und Öffnung (IKÖ) 2019 als Netzwerk der Fachverbund IKÖ Ost gebildet worden, um die fachliche Vernetzung zu erhöhen und die Bedarfe der neuen Bundesländer gezielt in den Blick zu nehmen. 

In der gemeinsamen Aussprache nach den Arbeitsgruppen betonte Dr. Katja Michalak, dass kommunale Integrationskonzepte nötig seien, aber auch für deren Umsetzung die entsprechenden Strukturen und engagierten Verantwortlichen. Zudem sprachen sich Dr. Katja Michalak und wie auch Elisa Calzolari nachdrücklich dafür aus, Stellen wie Integrationskoordinatoren oder -manager stärker zu institutionalisieren – dies heiße feste Personalstellen dafür in Landkreisen einzurichten und nicht nur als eine Option zu betrachten. Mit der Aufgabe der Integration dürften nicht allein befristet geförderte Vereine und Projekte betraut werden. - Am Ende des Seminars wurden von den Teilnehmern als die wichtigsten in Erinnerung bleibenden Begriffe „Gemeinschaft“, „Struktursicherung“ und „Lückenschluss“ genannt.

Eine Dokumentation der Veranstaltung am 28. April ist hier abrufbar (die einzelnen Beiträge folgen nach dem allgemeinen Textfeld zur Seminarreihe).

Die weiteren Termine: 2. Juni 2021, „Gemeinsam stark vor Ort #2 - Netzwerken! Kooperative Orte schaffen“, 6. Oktober 2021, „Gemeinsam stark vor Ort #3 - Rahmenbedingungen, die wir brauchen“ (jeweils 14 bis 17 Uhr)

Kontakt: Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Schumannstraße 8, 10117 Berlin, Telefon: +49 30 28534-0; in Bezug auf die Seminarreihe: Dr. Anne Ulrich: Telefon: +49 30 28534-120, E-Mail: ulrich@boell.de sowie Eike Botta-Venhorst, Telefon: +49 30 28534-235, E-Mail: botta-venhorst@boell.de